Die Berufsbezeichnung Schäffler ist gebräuchlich in Südbayern und wird von Schaff, ein oben offenes Gefäß hergeleitet. Die Aufgabe des Schäfflers besteht in der Herstellung und Reparatur von Holzfässern. Der Münchner Schäfflertanz wird erstmals 1702 in den Archiven der Stadt München erwähnt. Die Entstehung des Schäfflertanzes in München ist wohl auf das Jahr 1517 datiert, wo die Pest auf grauenhafte Weise gewütet haben soll. Selbst nach Ende der Pest hatten die Einwohner von München Angst die Häuser zu verlassen. Ein Bürger aus der Zunft der Schäffler hatte die Idee durch ein lustiges Schauspiel die Bürger aufzuheitern.
Schon immer war der Münchner Schäfflertanz ein Tanz der Schäfflergesellen, der sicher auch dazu beitragen sollte, den kargen Lohn der Gesellen etwas aufzubessern. Die Schäfflertänzer mussten unverheiratet sein, einen einwandfreien Leumund haben, gelernte Schäffler sein und mindestens seit zwei Jahren in München wohnen. Mit dieser Tradition musste erstmals 1963 gebrochen werden. Aus Personalmangel wurden auch verheiratete Schäffler zum Tanz zugelassen. Ab 1970 musste bereits teilweise auf berufsfremde Tänzer zurückgegriffen werden, um die Tradition des Münchner Schäfflertanzes aufrechterhalten zu können.
Der erste Tanz gilt heute dem Ministerpräsidenten und dem Oberbürgermeister. Im Turm des neuen Rathauses sieht man die Schäfflertänzer im Glockenspiel, die sich um ihre Bögen drehen. In der Mitte auf dem Faß thront ein „Kasperl“ der als Spaßmacher dirigiert. Insgesamt 43 Glocken läuten täglich um 11.00 Uhr und um 12.00 Uhr, sowie von Mai bis Oktober zusätzlich um 17.00 Uhr – ein Hauptanziehungspunkt für Touristen und Einheimische. Hier hat der Schäfflertanz seinen Stand nach allen Himmelsrichtungen und durch das Glockenspiel musikalisch sein Zuhause inmitten der Stadt.
Konnten die Schäffler im vorigen Jahrhundert in der noch kleinen Stadt München ihre Auftritte zu Fuß bewältigen, so sind sie heute in der Millionenstadt München auf einen Reisebus angewiesen, um ihre ca. 400 Auftritte in allen Teilen der Stadt pünktlich und zur Freude der Münchener Bürger aufführen zu können. 2026 war wieder ein Jahr für die Münchner Schäfflertänzer.
Tänzer
Der Schäfflertänzer trägt eine grüne Schlegelkappe und eine rote Jacke mit einem breiten Silberstreifenam am Kragen. Unter der weißen Weste trägt er einen kompletten Lederschurz (die typische Arbeitsbekleidung des Schäfflers), der am linken Oberschenkel zu einem Dreispitz heraufgeschlagen wird, damit er beim Tanzen nicht stört. Er trägt eine schwarze Pestschleife, ein Pestband und eine Schärpe mit dem bayrischen Wappen und dem Zunftwappen der Schäffler (die beiden Löwen tragen die Wittelsbacher Krone).
Charge – Vortänzer
Der erste Vortänzer trägt ein Zepter mit den Stadtfarben der Stadt München (gelb-schwarze in Streifen hängende Stoffbänder) und der zweite Vortänzer ein Zepter mit einer weiß-blauen Fahne für das Land Bayern. Die Chargen, das sind die Verantwortungsträger, die den Tanz und die Gruppe führen.
Kasperl
Die beiden Hanswursten, also die Kasperln, tragen eine kleine Holzfigur am Gürtel, in der sich schwarze Schminke befindet. Mit der Schminke schwärzen die Kasperl die Nasen der umstehenden Zuschauer. Dies soll an den schwarzen Tod erinnern, aber auch Glück bringen.
Tanzfigur – Schlange
Diese Figur soll den Lindwurm darstellen, der nach der Sage aus der Erde kroch und mit seinem giftigen Hauch die Pest über der Stadt und seiner Umgebung verbreitete.
Tanzfigur – Laube
Die Laube zeigt, dass sich die Menschen damals aus Angst vor dem „schwarzen Tod“ in Ihren Häusern einsperrten. Die Tänzer rücken bei dieser Figur auf engstem Raum zusammen.
Tanzfigur – Kreuz
Das Kreuz ist ein Symbol des Glaubens und der Hoffnung. Der christliche Glaube gewann in der Bevölkerung durch diese schreckliche Seuche noch mehr an Bedeutung.
Tanzfigur – Krone
Das Symbol des damaligen Herrscherhauses (die Wittelsbacher unter Herzog Wilhelm IV., der auch 1516 das Reinheitsgebot des Bieres verabschiedete). Den Schäfflern wurde zugleich als Dank und Mahnung gestattet, ihren althergebrachten Tanz alle 7 Jahre aufzuführen.
Tanzfigur – Vier kleine Kreise
Dabei drehen sich jeweils 4 Grüppchen von 5 Schäfflertänzern ineinander. Das soll bedeuten, dass sich nach Abklingen der schlimmen Seuche das Leben wieder zu drehen beginnt.
Tanzfigur – Changieren
Jeder Schäfflertänzer hat seinen eigenen Buchsbogen in der Hand und tanzt jedem Kollegen zweimal entgegen. Das bedeutet, dass jeder sein Leben wieder selbst in die Hand nahm und alle begrüßt, die ihm entgegenkommen und dem „schwarzen Tod“ entronnen sind. Die drei Schäffler in der Mitte stellen das „Reifenauftreiben auf ein Fass dar“. Sie klopfen während des „Changierens“ im 3er Schlag im Takt der Musik.
Reifenschwinger
Der Reifenschwinger steht auf einem Fass und lässt kunstvoll einen Reifen kreisen. Dieser Reifen symbolisiert den Kopf-, Hals- bzw. Bauchreifen, der die Dauben eines Fasses zusammenhält.














