Floßerei Seitner aus Wolfratshausen


Im Juli 2025 waren wir zu Gast bei der Flößerei Seitner in Wolfratshausen, um den Flossausbau zu dokumentieren. Die Flößerei an der Isar hat eine lange Geschichte. Vom 13. bis zum 19. Jahrhundert war es ein Transportmittel für Waren, diente dem Personenverkehr und der Holztrift. Die Isar konnte ab Mittenwald mit dem Floß befahren werden, die Loisach, ein Nebenfluss der Isar, ab Garmisch-Partenkirchen. Die wichtigsten Zielorte waren die bayerischen Residenzstädte München und Landshut und die Bischofsstadt Freising. Die Fahrt war aber auch bis zur Isarmündung bei Deggendorf und sogar noch donauabwärts bis Wien oder Budapest möglich.

Heute dient die Flößerei nur mehr dem Personentransport und ausschliesslich zum Vergnügen der Fahrgäste. Von Mai bis September fahren fast täglich mehrere Flöße von Wolfratshausen aus und enden in München an der Floßlände in Thalkirchen. Uns hat allerdings nicht das Vergnügen an dieser Fahrt interessiert, sondern wir wollten die schwere Arbeit die dahinter steckt portraitieren. Der Familienbetrieb Seitner aus Wolfratshausen hat uns erlaubt den Aufbau zu fotografieren, der um 06:30 Uhr in der früh beginnt.

Der Floßaufbau ist schweres Handwerk im Teamwork. Nach jeder Fahrt werden Abends die Floße an der Floßlände in München wieder zerlegt und zurück nach Wolfratshausen transportiert. Dort werden dann die einzelnen Stämme an der Schlederleiten in Wolfratshausen aufgeschichtet. Am Morgen wird daraus wieder ein fahrbares Floß zusammengebaut. Dazu werden sie mit einem speziellen Werkzeug angedreht und rollen dann alleine den Abhang hinunter ins Wasser. Von einem Mitarbeiter werden sie mit einer langen Stange mit einem Haken am Ende eingefangen und Stamm für Stamm parallel zu einem Floß zusammengeführt. Weitere Mitarbeiter fixieren mit Eisenhacken die Stämme zu der vollen Floßbreite. Danach werden Querbalken befestigt und darauf die eigentliche Plattform des Flosses aufgebaut. Nachdem der Boden fertig ist werden die Sitzbänke darauf montiert. Unverzichtbarer Teil eines Floßes ist natürlich auch das Toilettenhäuschen – ein viereckig gespanntes Tuch mitsamt einem Eimer. Die Steuerungselemente, die Ruder werden an Holzpflöcken mit Seilen befestigt. Über eine Rutsche werden noch Bierfässer, Sonnenschirme und diverses Equipment eingeladen. Zum Schluss können sich die Musiker einrichten und nach gut zwei Stunden ist dann das Floß abfahrbereit. Dieser Arbeitsprozess wiederholt sich während der Saison pro Tag für drei Flöße und das Ganze sechs mal die Woche.

Auf den folgenden Bildern seht ihr die Eindrücke, die wir bei dieser schweisstreibenden Arbeit gewonnen haben. Respekt und Dank an die Familie Seitner und ihre Mitarbeiter aus Wolfratshausen.